4. Schlusswort

Der öffentliche Aufruhr um „300“ ist inzwischen größtenteils abgeklungen. Dennoch sind die Nachwirkungen weiterhin spürbar. Gerade in der Popkultur des Internets hatte sich ein wahrer Sparta-Hype entwickelt, dessen Hinterlassenschaften noch immer auf öffentlichen Portalen wie ‚youtube‘ zu bewundern sind. Die meisten dieser von dem Film oder seinen Dialogen inspirierten Kreationen, sogenannte Spoofs, zeigen dabei einen überraschend hohen Grad an wohlwollender Ironie. Man begegnet den brachialen, ideologisch gefärbten Aussagen des Films mit einem Augenzwinkern, ohne damit jedoch das Produkt „300“ als solches vollständig zu verwerfen. Letztlich hat der Film dafür gesorgt, dass Spartaner wieder angesagt sind; ein Trend, der sich vollständig gegen das noch heute in den Schulbüchern vermittelte Bild stemmt, wonach Sparta nur als dunkles Gegenbeispiel zum strahlend demokratischen Athen dienen darf. Dennoch ist es ruhiger geworden um den Film. Und vielleicht bietet sich nun die Gelegenheit auch für Wissenschaftler, sich der Umsetzung etwas intensiver, aber mit dem nötigen Abstand anzunehmen, um den Wert eines solchen Films für die Vermittlung der antiken Welt an die modernen Zuschauer herauszuarbeiten. In der Süddeutschen Zeitung heißt es in einem Kommentar zu Bryan Singers Stauffenberg-Film „Walküre“ (2009), der in der Öffentlichkeit ebenfalls sehr kontrovers diskutiert wurde:

„Historiker und Filmemacher stehen sich zuweilen sehr kritisch gegenüber. Angebracht ist das nicht, denn Filme über historische Themen können Interesse wecken, Diskussionen anregen, die Beschäftigung mit der Vergangenheit beeinflussen. [...] Spielfilme erreichen Menschen auf eine Weise, wie es Historiker selbst niemals schaffen können. Natürlich ist es unvermeidlich, dass Filme auch das Ergebnis dramaturgischer Verdichtung sind. Historiker sollten deshalb bei der Beurteilung historischer Filme – sei es zustimmend, sei es ablehnend – zurückhaltend sein. Denn Filme sind Filme, keine Quelleneditionen.

Historiker sollten Spielfilme als Anregung nutzen, auf entstandenes Interesse reagieren und Fragen aufgreifen, die sich stellen.“(43)

Dem ist weiter nichts hinzuzufügen.

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