1. Einleitung

Während Oliver Stones Verfilmung des Alexander-Stoffes aus dem Jahr 2004 bereits mehrmals wissenschaftlich untersucht wurde, blieb der Monumentalfilm von Robert Rossen (1956) bislang relativ unberücksichtigt. Der Mangel an wissenschaftlicher Forschungsliteratur ist einer der Gründe, weswegen dieser Film für eine Analyse ausgewählt wurde.

Wann immer das Leben historischer Persönlichkeiten oder historische Ereignisse verfilmt werden, stellt sich die Frage, inwieweit sich Regisseur und Creative Team beim Inszenieren an die historischen Fakten hielten. So sind die Fragen, ob und wo deutliche Abweichungen von der Historizität im Film Alexander der Große spürbar sind, berechtigt. Um zu einer Antwort zu gelangen, wird im Folgenden eine ausgewählte Filmszene auf ihre historische Korrektheit hin untersucht werden. Hierzu werden zur Überprüfung die Quellen der Alexanderhistoriker Curtius Rufus, Plutarch, Arrian und Iustinus herangezogen.(1)

Allerdings muss dabei beachtet werden, dass sich die antiken Historiker in ihren Überlieferungen mehrfach widersprechen und heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen ist, bei welcher Aussage es sich tatsächlich um die historische Wahrheit handelt. In ihrem Ergebnis soll diese Hausarbeit zu Tage fördern, aus welchen Quellen Regisseur Robert Rossen sich bediente und welchen Überlieferungen er in Folge dessen mehr Glauben schenkte. Daraus wiederum ergeben sich Mutmaßungen, weswegen Rossen bestimme Versionen bevorzugte.

Mit dem Ziel, eine zur Analysierung geeignete Szene zu finden, wurde der Film gesichtet. Rasch wurde ein Szenario gefunden, das eine Untersuchung rechtfertigt: Nachdem Alexander seinen alten Freund und Gefährten, den Soldaten Kleitos, im Zorn und unter Alkoholeinfluss, mit einer Lanze getötet hat, will er sich im Film aus Reue über die schreckliche Tat ebenfalls mit der Lanze das Leben nehmen. Da dieses Verhalten so ganz und gar dem Bild Alexanders des Großen, der nach Macht, Ruhm und Größe strebte, widerspricht, fiel der Entschluss, eben diese Filmszene auf ihre Historizität zu überprüfen. Denn es scheint auf den ersten Blick unglaubwürdig, dass dieser erfolgreiche Eroberer je an Selbstmord gedacht haben soll. Im Kontext dieser Filmszene werden zudem die Gründe für die Auseinandersetzung untersucht werden sowie der Ausspruch des Persers, der Alexander über alle Gesetze stellte.

Die Analyse wird wie folgt vonstatten gehen: Zu Beginn jedes Kapitels wird in Kürze ein Aspekt der Filmszene geschildert werden. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, die Quellen der antiken Alexanderhistoriker zu sichten und darin nach Übereinstimmungen mit der Filmszene zu suchen. In einem zweiten Schritt muss die Forschungsliteratur über Alexander den Großen konsultiert werden. Ziel dieser Konsultation soll es sein, einen Überblick über die unterschiedlichen Quelleninformationen zu erlangen und ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Überlieferung mehr Glauben zu schenken ist. Hierzu wurden die Werke von Alexander Demandt, Hans-Joachim Gehrke, Hans-Ulrich Wiemer und Wolfgang Will zu Rate gezogen. Durch die Auseinandersetzung mit Quellen und Forschungsliteratur soll schließlich erkenntlich sein, welche Aufzeichnungen der antiken Autoren Robert Rossen bekannt waren.

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