5. „Was höchste Macht ist, das ist recht getan.“

Als Alexander Kleitos’ Tod beweint, merkt ein Perser im Film an:

„Ist das Alexander, der einen Mann tötet und darüber weint? Ist er das wirklich, der da am Boden liegt und weint aus Furcht vor dem Gesetz und dem Geschwätz der Menge? Wo er doch selbst das Gesetz ist und das Maß für Recht und Unrecht. Was höchste Macht ist, das ist recht getan.“(40)

Auch bei Arrian und Plutarch findet sich eine ähnlich klingende Aussage. Allerdings wird diese nicht von einem Perser, sondern dem griechischen Philosophen Anaxarchos gemacht.

So sei auch das, was ein großer König tue, als Rechtsakt anzusehen, und zwar zunächst von diesem selbst, dann auch von allen anderen Menschen.“(41) (Arrian)

Anaxarchos [...] rief sogleich [...]: ,Das ist der Alexander, auf den jetzt die ganze Welt blickt? Da liegt er und weint wie ein Sklave und fürchtet sich vor dem Gesetz und vor dem Tadel der Menschen, für die er doch vielmehr Gesetz und Norm dessen sein muß, was recht ist, da es ihm doch bestimmt ist, zu herrschen und zu befehlen, nicht zu dienen und sich dem Befehl eitler Meinungen zu unterwerfen!‘“(42) (Plutarch)

Obwohl beide Quellenzitate inhaltlich den Kern der Aussage im Film treffen, kommt Plutarchs Version der Filmszene am nächsten.

Ein Blick in die Sekundärliteratur macht deutlich, dass abermals allein Demandt von einem Geschehnis berichtet, das von keinem der anderen Historiker angesprochen wird.

„Nach einer unsicheren Überlieferung soll der Philosoph Anaxarchos [...] den König damit getröstet haben, daß so wie Zeus als Hüter des Rechts kein Unrecht tun könne, so auch Alexander als großer König mit allem, was er tue, im Recht sei.“(43)

Bei Wiemer fällt nicht der Name des Philosophen, er berichtet von intellektuellen Schmeichlern, die Alexander versicherten, er stehe als König über den Gesetzen.(44)

Wieso im Film einem Perser die Worte des griechischen Philosophen in den Mund gelegt wurden, bietet Stoff für eine eigene Seminararbeit und soll deswegen an dieser Stelle nicht mehr behandelt werden. Fakt ist jedoch, dass die Worte des Persers auf Textstellen in den Quellen zurückgehen.

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