6. Fazit

Beim Vergleich der antiken Quellen mit der behandelten Filmszene fällt auf, dass diese viele Übereinstimmungen mit den antiken Darstellungen des Arrian und besonders des Plutarch aufweist. Dies lässt darauf schließen, dass Rossen nicht der Vulgata-Tradition folgte, die von Curtius Rufus, Diodor und Iustinus repräsentiert wird.(45) Zudem weicht gerade der Bericht des Curtius Rufus an einigen Stellen erheblich von der Filmszene ab. Außerdem ist Curtius Rufus dafür bekannt, die Alexandergeschichte alexanderfeindlich auszulegen, so etwa, indem er Alexander als heimtückischen Mörder des Kleitos darstellt,(46) während die anderen Autoren ihn im Affekt handeln lassen. Dass Rossen sich an Arrian orientiert, überrascht nicht wirklich, gilt dessen Anabasis doch als zuverlässigste Quelle.(47) Plutarch dürfte ein wichtiger Gewährsmann gewesen sein, da er einen Großteil der zu seiner Zeit noch vorhandenen Literatur über Alexander gelesen und viele Zitate wortwörtlich  in seine Alexanderbiographie übernommen hat.(48)

Bei der Betrachtung der Forschungsliteratur fallen die vielen Berührungspunkte von Wiemers Werk und der Filmszene auf. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass nur Demandt von zwei im Film dargestellten Ereignissen erzählt, die restliche Forschungsliteratur jedoch dazu schweigt.(49)

An dieser Stelle sei ausdrücklich betont, dass Rossen sich nicht an Wiemer und Demandt orientiert hat. Schließlich wurden deren Werke erst in den Jahren 2005 und 2009 publiziert.

Abschließend lässt sich sagen, dass es sich bei Alexanders Selbstmordversuch nicht um Fiktion, sondern um eine überlieferte Tatsache handelt. Im Hinblick auf die untersuchte Filmszene hat Rossen sich an die historischen Fakten gehalten. Lediglich bei der zeitlichen und geographischen Einordnung der Szene erhielten dramaturgische Vorstellungen Vorrang vor der geschichtlichen Realität.

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