1. Einleitung

Alexander der Große ist zweifellos eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Als junger Feldherr rückte er bis 326 v. Chr. von Makedonien bis zum indischen Subkontinent vor. Auf diesem Weg feierte er unzählige militärische Erfolge, die in seiner Zeit und bis heute unübertroffen sind. Doch trotz seiner einzigartigen militärischen Leistungen gehört Alexander zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Antike. Manche seiner Zeitgenossen bewunderten Alexander auf Grund seiner außergewöhnlichen Taten, „Andere hassten ihn als größenwahnsinnigen, charakterschwachen Gewaltherrscher, dessen kurzer Eroberungszug unzähligen Betroffenen unermessliches Leid bescherte.“(1) Diese negativen Charaktereigenschaften sind nicht zuletzt auch auf den immensen Einfluss seiner dominanten Mutter Olympias von Epirus zurückzuführen.

Der Regisseur Oliver Stone versucht in seinem Werk Alexander (USA/Großbritannien, 2004), das Leben des Welteneroberers aus Makedonien für das moderne Publikum möglichst spektakulär zu verfilmen. Stone erschuf mit Alexander einen Monumentalfilm, der dem Hollywood-Stil gerecht wird und mit einer absoluten Starbesetzung glänzt. Alexander ist einer von zehn biographischen Filmen, die unter Stones Hand produziert wurden. Oftmals wurde Stones zu lockerer Umgang mit historischen Quellen kritisiert. Am Film Alexander beklagten die Kritiker jedoch das starre Festhalten an der Geschichte und den trockenen und akademischen Stil.(2) In einem Interview gab der Regisseur an, dass er sich beim Erstellen des Drehbuchs auf antike Autoren wie Plutarch, Curtius Rufus, Diodorus und Arrian bezogen habe, um den wahren historischen Begebenheiten gerecht zu werden.(3) Ruth Lindner schreibt hierzu: „Ohne Zweifel ist in Stones Alexander ein erstaunliches Maß an historischer Recherche eingeflossen.“(4) Doch stimmt dies?

In der folgenden Ausarbeitung soll überprüft werden, inwieweit es Oliver Stone gelungen ist, seinen Film Alexander historisch genau und authentisch zu gestalten. Dabei sollen einzelne Filmszenen analysiert und anhand historischer Quellen und ergänzender Forschungsliteratur auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Im Mittelpunkt der Ausarbeitung soll die Untersuchung der von Angelina Jolie dargestellten Olympias stehen. Die Charakterdarstellung der Olympias, ihr Götterkult und die damit verbundenen Mythen um Alexanders Abstammung, ihre Beteiligung an Philipps Ermordung und die Beziehung zu ihrem Sohn Alexander sollen hierbei genauer betrachtet werden.

[Inhaltsverzeichnis]