2.2 Olympias' Schlangenkult und Alexanders göttliche Herkunft – Was steckt dahinter?

Hephaistion

Schon zu Beginn des Films wird Alexanders angeblich göttliche Abstammung von Olympias stark in den Vordergrund gerückt. Immer wieder bestärkt sie ihren Sohn darin, dass er zu großen Taten bestimmt ist, weil er Sohn des Zeus sei. In der Szene, in der Alexander als kleiner Junge und seine Mutter zum ersten Mal gemeinsam zu sehen sind, wird Olympias' Hang zum übersteigerten Dionysos-Kult dargestellt. Immer wieder betont die Mutter, dass ihr Sohn von den Göttern abstamme. Auch der antike Autor Diodor unterstreicht Alexanders Gottessohnschaft:

„Väterlicherseits stammte Alexander von Herakles, mütterlicherseits hingegen von den Aiakiden, und er erbte so, was die beiden Linien seiner Vorfahren betraf, ihre hochberühmten körperlichen und geistigen Fähigkeiten.“(11)

Auch Plutarch berichtet von der göttlichen Abstammung des Alexander:

„Dass Alexander väterlicherseits durch Karanos von Herakles, mütterlicherseits durch Neoptolemos von Aiakos abstammte, gehört zu den wohlbezeugten Tatsachen.“(12)

Dass sich um die Zeugung Alexanders viele Legenden und Mythen rankten, bestätigt auch die Forschung. So werden in den antiken Quellen neben Philipp noch zwei andere mögliche Väter Alexanders erwähnt: Nektanebos II, der letzte indigene ägyptischen Pharao, und Amun, den die Griechen mit Zeus gleichsetzten.(13) Somit gibt der Film Alexander die altertümlichen Anschauungen in Bezug auf Alexanders Göttlichkeit authentisch wieder.

In fast allen Szenen, in denen Olympias zu sehen ist, wird sie von mehreren Schlangen umgeben. Die Mutter Alexanders wird im Film sogar als schlangenfanatisch dargestellt. Stone benutzt durchweg das Symbol der Schlange in Verbindung mit Olympias, um damit die göttliche Herkunft Alexanders zu verdeutlichen. Doch können in den antiken Quellen für diesen Schlangen- und Götterkult tatsächlich Belege gefunden werden? Justin schreibt diesbezüglich:

„In der Nacht, als seine Mutter ihn empfing, deuchte ihr im Schlaf, sie läge mit einer ungeheuren Schlange im Bett, und dieser Traum hat ja auch wirklich nicht getrogen, denn in der Tat hat sie in ihrem Bauch etwas getragen, was über das Maß eines sterblichen Menschen hinausging.“(14)

Justin berichtet uns auch von der Schlangenzeugung und deren Folgen für die königliche Familie:

„Seine Mutter Olympias nämlich hatte ihrem Mann Philipp gestanden, dass sie den Alexander nicht von ihm, sondern von einer ungeheuer großen Schlange empfangen habe. Jedenfalls hatte Philipp selbst in der letzten Zeit seines Lebens in aller Öffentlichkeit erklärt, sein Sohn sei Alexander nicht. Dies war auch der Grund, weshalb er Olympias als überführte Ehebrecherin verstoßen und fortgeschickt hatte. Deshalb wollte Alexander sich den Ruf göttlicher Abstammung sichern und zugleich seine Mutter von der üblen Nachrede befreien.“(15)

Michael Pfrommer geht sogar soweit zu sagen, dass die herrschsüchtige Olympias nach den zahlreichen Siegen ihres Sohnes bei der Legende von der göttlichen Zeugung Alexanders auch ihre eigene Überhöhung im Sinn hatte.(16) Dass Olympias im Film keine Gelegenheit ungenutzt lässt, die göttliche Herkunft ihres Sohnes zu betonen, ist daher den Quellen entsprechend umgesetzt worden.

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