3. Fazit

Wie ist die Authentizität der im Film dargestellten Olympias nun zu bewerten? Nach umfangreicher Prüfung scheint ein eindeutiges Ergebnis nicht möglich. Die antiken Autoren sind selbst hin und her gerissen und alles andere als einer Meinung. Auch die Sekundärliteratur scheitert an einem zufrieden stellenden Ergebnis. Auf der einen Seite wird sie als rachsüchtige Mörderin beschrieben, auf der anderen Seite als ehrgeizige Frau, die anders als die meisten Frauen jener Zeit die ihr zustehenden Ansprüche mit Hartnäckigkeit geltend zu machen versuchte. Diese Widersprüche machen es für Oliver Stone in der filmischen Umsetzung nicht leicht. Auf der einen Seite interpretiert er die Person der Olympias basierend auf vielen negativen Charaktereigenschaften. Es wird klar, dass er Persönlichkeitsmerkmale wie Rachsüchtigkeit und Herrschsucht aus den Olympias-feindlichen Quellen und der kritischen Sekundärliteratur für die Ausgestaltung der Rolle übernimmt. Stone rechtfertigt dies auch mit einem Argument, welches für die Konstruktion von Dramatik in Filmen sinnvoll scheint: „Is this a person who is larger than life, who is in your face, is achieving something very fresh to the eye in making sure you remember him or her.”(33) Zudem gilt in der Filmwissenschaft das grundlegende Prinzip, dass es andauernder starker Beziehungen zwischen mindestens zwei Charakteren bedarf, um eine wirkliche Lebensgeschichte im Medium Film möglichst interessant darzustellen – „Drama is about relationship.”(34)

Gleichzeitig schafft Oliver Stone aber mit Olympias stark betonter Beziehung zu Alexander einen Widerspruch, der das Publikum zu überfordern scheint: Obwohl sie als „böse“ dargestellt wird, ist sie doch die mit wichtigste Bezugsfigur für den uns sympathischen und Mitleid erregenden Protagonisten Alexander. Auf welcher Seite soll das Publikum nun stehen? Das Publikum wird, genau wie Alexander, ständig zwischen Unverständnis und Sympathie für Olympias hin und her gerissen. Dieser Effekt ist auf Stones Übernahme von widersprüchlichen Quellenaussagen zurückzuführen und beweist somit zumindest in Bezug auf die Darstellung der Olympias im Film Alexander in größten Teilen eine gewisse Quellentreue.

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