2 Authentizität

Das Epos „Cleopatra“ entstand in einer Zeit, in der Historienfilme ein beliebtes Genre waren. 20th Century Fox nahm den Monumentarfilm als Neufassung von Paramounts erfolgreicher „Cleopatra“-Verfilmung(1) auf. Um dem geschichtlichen Hintergrund und einer umfassenden Darstellung der berüchtigten, sagenumwobenen Kleopatra gerecht zu werden, fiel die Wahl des Regisseurs und Mitautors am Drehbuch, das auf der 1957 erschienen Kleopatra-Biographie von Carlo Maria Franzero(2) basiert, auf Joseph L. Mankiewicz(3). Der Regisseur überarbeitete das Drehbuch anhand historischer Quellen (Cassius Dio und Plutarch). Mankiewicz’ Darstellung der Hauptfigur in der Verfilmung von 20th Century Fox beurteilt Schäfer in seiner Monopgraphie „Kleopatra“ als „... komplexeste Kleopatra aller Filmdarstellungen, ...“.(4) Schäfer honoriert besonders die Leistung des Regisseurs, der mit seinem Hintergrundwissen eine gelungene historische Darstellung abliefert, deren wissenschaftlicher Wert die nachfolgende Forschung beeinflusste. „Kein Forschungsbeitrag hat je so viel für den Wissenstransfer zu Leben und Wirken der ptolemäischen Königin tun können wie er als Autor und Regisseur, ja die Verbindung von Hollywood und Historie erwies sich aus Sicht des Historikers keineswegs als schlechter Kompromiss.“(5) Mankiewicz gelang es allerdings nicht, das umfangreiche historische Material auf eine akzeptable Filmlänge zu beschränken. Zanuck, der Chef von 20th Century Fox, kürzte es daher von acht Stunden auf eine vierstündige Fassung. Nach einem nicht ganz so erfolgreichen Kinostart im Jahre 1963 wurde der Film um eine weitere Stunde gekürzt. Sowohl der Handlungsverlauf als auch die politische Interpretation litten unter der Kürzung. Von Mankiewicz`s historischem Epos blieb somit weniger als die Hälfte bestehen, und es bekam zu Anfang trotz der guten Recherche nicht gerade positive Kritiken, was den Wert als Historienfilm betrifft. „Weltgeschichte auf Schlafzimmerniveau“,(6) „Cocktailtalk in historischer Verkleidung.“(7) Auch 1984 gab es noch Kritiker an der Darstellung des historischen Materials. „Colours are bold and evocative in the best tradition of Fox films of the time, the sumptuous tones of the Egyptian sets and clothes (based on gold) contrasting with the more sober Roman ones, both informed by an essential massiveness. Details are reasonably authentic yet still recognisably Hollywood in their amplification and adaptation; everything has an unreal, pristine quality which contributes to the film’s epic feel.”(8)

Das Aussehen Kleopatras, ein oft diskutiertes Thema in der historischen Forschung, gibt bei der Verfilmung Anlass zu Kritik. Die äußere Erscheinung der Pharaonin wird in der Fachliteratur(9) entgegen unserem heutigen Schönheitsideal beschrieben. Zahlreiche Statuen und Portraits(10) zeigen ungeschönte individuelle Züge, unter anderem eine gebogene Nase und ein stark hervorspringendes Kinn. Ganz im Gegensatz zu diesen wissenschaftlichen Hinweisen, fiel die Wahl der Schauspielerin auf Elisabeth Taylor, die zur damaligen Zeit als schönste Frau der Welt galt und die erwähnten charakteristischen Gesichtszüge nicht aufweist. Wie stark Mankiewicz’ Film auch das äußere Bild der Kleopatra prägt, bestätigen Susan Walker und Sally-Ann Aston: „For many mature adults in western societies today, Elisabeth Taylor, star of Joseph L. Mankiewicz’s 1963 film, is Cleopatra.“(11) Wie heute allgemein anerkannt, bestanden Kleopatras Reize nicht in einer außergewöhnlichen Schönheit, sondern in ihrem Geist, ihrer Intelligenz und ihrer gesamten Persönlichkeit. Doch die brutale und skrupellose Art dieser ehrgeizigen Königin wird in dem Film etwas geschönt dargestellt.

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