3.2 Halsschmuck, Ohrringe und Armreifen

Goldener Geier-Kragen

Auch beim Halsschmuck wurde das Symbol des Geiers verwendet, wie bei der Krönung Kleopatras in dem Film zu sehen ist. Ein Vergleichsstück ist der von Semench-ka-Rê getragene Geierkragen aus der 18. Dynastie, also ca. 1280 Jahre vor Kleopatra. Er ist ein seltener Beleg für einen Geier-Kragen, der vor allem von Sargdarstellungen aus dem Mittleren Reich bekannt ist. In ihrer Form sind sich die beiden Stücke trotz der großen Zeitdifferenz bemerkenswert ähnlich. Die Geierfigur besteht aus einem dicken Goldblech, in welches feine Linien einziseliert sind.(27) Das Edelmetall ist aus zwei Gründen das vorherrschende Material bei der ägyptischen Schmuckproduktion: Zum einen besitzt das Land eine große Anzahl an Goldvorkommen, des Weiteren hatte es bei den Ägyptern einen hohen Symbolgehalt. Als Zeichen des Feuers und der Sonne, galt es außerdem als Fleisch der Götter.(28)

Ohrboutons

Der Geier-Kragen des Semench-ka-Rê diente als Totenschmuck auf seiner Mumie, eine übliche Gabe für verstorbene Pharaonen. Ganz im Gegensatz zu dieser historisch belegten Verwendung, trägt Kleopatra im Film das Schmuckstück zu ihrer Krönung durch Caesar.

Breiter Kragen des Wah

Ohrringe sind ab dem Ende der zweiten Zwischenzeit bekannt. Ohrschmuck zu tragen, war ein Brauch, der seinen Ursprung in Asien hatte und sich schnell in Ägypten verbreitete. Die großen Ohrboutons aus der XX. Dynastie mit der Inschrift „Ramses XI“ wurden wahrscheinlich von einem weiblichen Mitglied der Herrscherfamilie getragen und sind denen aus der Ptolemäerzeit sehr ähnlich.(29) Ab der XXI. Dynastie kam es in Mode, immer größere und schwerere Ohrringe zu tragen. Wie bei Mumien festgestellt wurde, hatten diese schweren Anhänger ein enormes Erweitern der Ohrlöcher zur Folge. Später ging die Größe der Ohrringe wieder auf ein „Normalmaß“ zurück.(30)

Der Breite Kragen war die klassische Form des Halsschmucks. Er bestand aus mehreren Reihen von runden oder ovalen Perlen zwischen zwei halbmondförmigen flachen Abschlüssen, die häufig auch in Form von Falkenköpfen gestaltet wurden. Die Abschlüsse wurden mit zwei Schnüren im Nacken verbunden. Da diese Ketten mitunter mehrere Kilogramm wogen, gab es ein Gegengewicht, das hinten an dem Collier angebracht wurde und am Rücken hinunter hing. Der untere Abschluss des breiten Kragens bestand aus einer Reihe von Perlen in Form von Tränen.(31) Ein Beispiel dafür ist der Kragen des Wah-ka-Rê aus der XXIV. Dynastie, hergestellt aus Fayence, einer Tonware mit Zinnglasur. Kleopatra trägt in dem Film einen breiten Kragen in dieser Tradition, doch ihrer besteht aus aneinander gereihten Goldmünzen mit dem Portrait Caesars, das sie sich nach seinem Tod anfertigen lies. Als Abschluss dienen tränenförmige Glasperlen. Die wirkliche Existenz einer solchen Sonderanfertigung als Andenken an Caesar ist zweifelhaft.

Armreifen aus der ptolemäischen Zeit

Die Vielzahl der Schmuckstücke, die ein Pharao oder eine Pharaonin trugen, umfasste auch Armreifen für den Oberarm und Armbänder für das Handgelenk. Diese konnten entweder flexibel oder steif sein.(32) In dem Film „Cleopatra“ trägt die Hauptdarstellerin einen Armreif am Oberarm, der mit Schlangenköpfen abschließt. Vergleichsstücke sind die goldenen Schlangen-Armreifen aus der Zeit der Ptolemäer.(33)

[Inhaltsverzeichnis]