3.1 Hat Commodus „den Krieg verpasst“?

Zu Beginn des Films reist Commodus(1) an der Seite seiner Schwester Lucilla mit einem Wagen in das römische Heerlager. Aus dem Gespräch zwischen den beiden geht hervor, dass Marc Aurel sie hat rufen lassen. Aus einem späteren Gespräch zwischen Lucilla und Marc Aurel geht dann hervor, dass die Reise ins Heerlager „lang“ und „unbequem“ war. Es kann also davon ausgegangen werden, dass sich Lucilla und Commodus zuvor nicht in der Nähe des Heerlagers aufgehalten haben. Commodus begrüßt Marc Aurel mit den Worten: „Habe ich sie verpasst? Habe ich die Schlacht verpasst?“ Daraufhin entgegnet Marc Aurel: „Du hast den Krieg verpasst!“ Besonders diese Aussage und die oben erwähnte längere Anreise legen den Eindruck nahe, dass sich Commodus nicht in Germanien aufgehalten habe und nicht an dem Feldzug gegen die Germanen beteiligt gewesen wäre. Doch ist diese Darstellung historisch korrekt?


Bereits 175 nimmt Marc Aurel seinen 14jährigen Sohn Commodus auf einen siegreichen Feldzug gegen die Germanen mit. Zurück in Rom feiern beide den Triumph über die Germanen und Sarmaten.(2) Nachdem es 177 zu neuen Aufständen an der germanischen Grenze gekommen war, brechen Marc Aurel und Commodus im August 178 erneut gemeinsam zu einem Feldzug, der „expeditio Germanica secunda“, gegen germanische Stämme auf. Bereits 179 werden beide nach einer siegreichen Schlacht gegen die Stämme der Quaden und Markomannen zu Imperatoren ausgerufen.(3) Nach dem Tod Marc Aurels im März 180 schließt Commodus im weiteren Verlauf des Jahres mit den Quaden und Markomannen Frieden und kehrt schließlich Ende des Jahres nach Rom zurück.(4)


Der Forschung nach ist Commodus also durchaus an der germanischen Front zugegen gewesen. Es ist zwar nicht eindeutig bestimmbar, inwieweit der junge Commodus aktiv am Kriegsgeschehen beteiligt war, doch lässt sich wohl nicht davon sprechen, dass er „den Krieg verpasst“ hätte.

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