3.1 Gab es den engsten Freund namens Hadrian wirklich?

Büste von Hadria

Darstellung im Film:

Im Film begegnet dem Zuschauer neben den bekannten Akteuren, wie Konstantin oder Diokletian, u.a. ein Gefährte Konstantins namens Hadrian. Dieser wird als engster Vertrauter Konstantins eingeführt. Die beiden werden so dargestellt, als seien sie durch eine tiefe Freundschaft miteinander verbunden. So rettet Hadrian Konstantin das Leben, als sie auf dem Weg von Germanien nach Rom hinterhältig überfallen werden. In dem Kampf wird Hadrian schwer verletzt und von einer kleinen christlichen Gemeinde aufgenommen und gesund gepflegt. Dabei kommt Hadrian zum ersten Mal mit Christen in Kontakt, was seine Meinung über die Mitglieder dieser sich ausbreitenden „Sekte“ verändert. Dieser Wandlungsprozess wird dadurch katalysiert, dass er sich in Livia, die Tochter des Gemeindeältesten, verliebt. Jene Erfahrungen beeinflussen ihn derart stark, dass er im weiteren Verlauf Konstantin von den Vorzügen des Christentums überzeugen will. Dabei bemerkt er, dass Konstantin den Christen nicht abgeneigt zu sein scheint.

An späterer Stelle wird Hadrian von Konstantin als ständiger Botschafter oder Interessensvertreter zu Maxentius und zum Senat nach Rom entsandt. Gleichzeitig erstattet er Konstantin Bericht über die Ereignisse, die in Rom geschehen.

Quellenlage und Urteil:

In den zeitgenössischen Quellen lässt sich kein einziger Nachweis für einen „besten Freund“ Konstantins namens Hadrian finden. Einzug in die Geschichtsschreibung hätte Hadrian spätestens genommen, als er – wie im Film dargestellt – die Funktion des Botschafters Konstantins in Rom eingenommen hat. Dies lässt sich mit den Quellen jedoch nicht bestätigen.

Als sicher gilt, dass der Drehbuchautor sich in diesem Fall seiner künstlerischen Freiheit bedient. Hadrian stellt für den Historiker eine fiktive Person dar. Für den Film jedoch ist sie ein wichtiger Bestandteil der Dramaturgie. Hadrian entpuppt sich als einziger Vertrauter Konstantins, welcher den Kaiser von den Vorzügen des Christentums zu überzeugen versucht.

Die Wahl des Namens scheint an den römischen Kaiser Publius Aelius Hadrianus (kurz: Hadrian) angelehnt zu sein. Jener lebte von 76-138 und war von 117 bis zu seinem Tode Kaiser des Römischen Reiches.(3)

An dieser Stelle ist der Film somit nicht authentisch. Es wird eine Nebenrolle erfunden, die aber maßgeblichen Einfluss auf die Hauptperson Konstantin in Bezug auf seine Affinität zum Christentum ausübt. Die exakten Beweggründe, welche die Filmmacher dazu bewegt haben, einen fiktiven Charakter einzuführen, können hier nicht mit absoluter Sicherheit geklärt werden. Es soll jedoch ein Versuch unternommen werden, ein Erklärungsmodell herauszuarbeiten.

Der fiktive Hadrian ist ein zentraler Akteur im Film, der Konstantin davon überzeugen möchte, dass das Christentum die bessere und gerechtere Religion sei. Hätte es den dargestellten Hadrian in Wirklichkeit gegeben, dann wäre der Aufstieg des Christentums somit zu einem großen Teil ihm zu verdanken.

Die zeitgenössische Forschung jedoch streitet heftig darüber, wann Konstantin den ersten Kontakt mit dem Christentum hatte und ob er – dem modernen Begriff nach – christianisiert wurde bzw. in welcher Beziehung er dem Christentum gegenüberstand. Auf diese wissenschaftliche Kontroverse scheinen die Filmmacher mit der Einführung von Hadrian ihre eigene Antwort gefunden zu haben. Der Dramaturgie ist es geschuldet, dass eben nicht eine der Forschungspositionen verwendet wird. Es ist beispielsweise schwerer darzustellen, dass Konstantin während seiner Jugend im Osten des römischen Reiches einen ersten Kontakt zum Christentum gehabt haben könnte, als einen „besten Freund“ zu erfinden, der Konstantin vom neuen Glauben überzeugt.

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