3.3 Wird Konstantin von den Truppen seines verstorbenen Vaters zum Imperator ausgerufen?

Diocletian

Darstellung im Film:

Als Konstantin nach einer Intrige gegen ihn aus Rom zu seinem Vater flüchtet, der sich mit seinen Truppen beim Feldzug gegen die Pikten in Britannien aufhält, trifft er inmitten einer Schlacht ein und führt die Truppen seines Vaters zum Sieg. Während der Schlacht wird Constantius Chlorus – seines Zeichens Augustus des Westens – so stark verwundet, dass er seinen Verletzungen erliegt und stirbt. Am Sterbebett gesteht er Konstantin, dass seine Mutter Helena eine Christin ist. Dann bittet er seinen Sohn, sie zu finden und ihr einen letzten Gruß des Vaters zu bestellen. Unmittelbar nach dem Tod von Constantius Chlorus übernimmt Konstantin das Kommando über die Truppen und wird von diesen während der feierlichen Einäscherung des Vaters zum Augustus ausgerufen.

Hier sollen die Quellen daraufhin untersucht werden, ob die Truppen des Constantius Chlorus seinen Sohn Konstantin wirklich zum Augustus ausgerufen haben.

Quellenlage:

Im Bezug auf diesen Aspekt sind sich die Historiker einig. Am 25. Juli 306 starb Constantius Chlorus nach kurzer Krankheit.(5) Ihren Ursprung hatte diese – wie im Film dargestellt – in einer Schlachtverletzung. Ob Konstantin unmittelbar vor dem Tod des Vaters in Britannien eintraf oder schon früher, ist nicht genau zu klären – für die eigentliche Untersuchung aber von minderer Bedeutung. Als sicher gilt, dass er beim Tod des Vaters anwesend war. Übereinstimmend berichten Aurelius Victor, Eutropius, Lactans und Eusebius über das Geschehen:

Aurelius Victor 40,3: Und zufällig rang in denselben Tagen sein Vater oder Verwandter mit dem Tode. Nach dessen Verscheiden bemächtigt er sich, wobei alle Anwesenden sich für ihn bemühen, der Herrschaft

Eutrop 10,1,3. 2,2: Er [Constantius Chlorus] starb zu Eboracum (=York) in Britannien im 13. Jahr seines Prinzipats und wurde unter die Vergöttlichten aufgenommen. [...] Aber nach Constantius´ Tod wurde Constantin, Sohn von einer Nebenfrau, in Britannien zum Imperator gewählt und trat als höchst willkommener Regent an seines Vaters Stelle.

Lactanz m.p. 24,8-9: Jener jedoch gelangte unglaublich schnell zu seinem Vater, der schon in den letzten Zügen lag; dieser empfahl ihn den Soldaten und übergab ihm eigenhändig die Herrschaft. Dann entschlief er in Frieden in seinem Bett so, wie er es sich wünschte. Nach der Übernahme der Herrschaft war es das erste Anliegen des Augustus Konstantin, die Christen ihrem Kult und ihrem Gott zurückzugeben. Das war seine erste Anordnung, mit der er die heilige Religion wiederherstellte.

Eusebius v.C. 1,21: Als Constantius aber unerwartet seinen Sohn neben sich stehen sah, sprang er von seinem Lager auf, schlang beide Arme um ihn und sagte, daß der einzige Kummer, den er, der ja im Begriff sei, sein Leben zu beschließen, jetzt noch gehabt habe [...] nun von seiner Seele genommen worden sei. [...] Konstantin schmückte sich mit dem kaiserlichen, vom Vater ererbten Purpur und trat aus dem väterlichen Haus [...] In einträchtiger Harmonie verherrlichten sie die Herrschaft des Sohnes als Wiederaufleben des Vaters und unter Beifallsbekundungen riefen sie ihn unmittelbar vom ersten Jubelruf an gleich als neuen ‚Kaiser‘, ‚Imperator‘ und ‚Sebastus Augustus‘ aus.

Anhand dieser Ergebnisse ist dem Film ein hoher Grad an Quellennähe zuzuschreiben. Allerdings orientiert er sich – wie allzu häufig – sehr stark an der Version von Laktanz und gerade dieser zählt zu den Autoren, die mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Der Rhetoriklehrer hat eine eindeutig christliche Tendenz, was sich vor allem in seinem Werk Über die Todesarten der Verfolger widerspiegelt.(6)

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