3.4 Wollte Maximian Konstantin in Trier töten?

Maximian

Darstellung im Film:

Nach den Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen Konstantin und Fausta in Trier weilt der alte Augustus des Westens Maximian bei seinem Schwiegersohn und versucht, ihn gegen Galerius aufzustacheln. Zudem unternimmt er den Versuch, Konstantin eine mögliche Alleinherrschaft über das ganze Römische Reich schmackhaft zu machen. Als sich jedoch Konstantin weder für das eine noch das andere empfänglich zeigt, versucht Maximian, Konstantin zu töten, um somit wieder selbst zur alten Macht zu gelangen. Dieser wird jedoch vorher von einer dem Zuschauer unbekannten, aber nach drei von vier Quellen als Fausta zu identifizieren Person gewarnt. Er überführt Maximian während seines Vorhabens und lässt ihn von den Wachen abführen, wobei sich Maximian der Aufsicht entziehen kann und sich mit einem Schwert selbst tötet.

Quellenlage und Urteil:

Dieses Ereignis wird in der modernen Forschung kontrovers diskutiert. Die Ursache für die verschiedenen Positionen ist abermals den zahlreichen antiken Autoren, die sich zu diesem Geschehnis unterschiedlich äußern, geschuldet. Im Folgenden sollen einige Stellen exemplarisch genannt werden. So berichtet Zosimus über einen natürlichen Tod, wohingegen sich bei Lactans Berichte über zwei Putschversuche des Herculius (wie Maximian auch genannt wird) und die Geduld Konstantins finden. Ferner schreibt Eutropius von einer gerechten Strafe für den Alt-Augustus, der ohnehin einen schlechten Charakter besessen hätte. Einen letzten Hinweis gibt Aurelius Victor, indem er, ähnlich wie Eutropius, von einer gerechten Strafe spricht.

Zosimus 2,11: So plante Herculius, auch gegen Constantius eine Verschwörung mit Hilfe von dessen Truppen anzuzetteln, Fausta aber kam dem Anschlag zuvor und setzte Constantius davon in Kenntnis. Durch den Mißerfolg in seinen sämtlichen Unternehmungen kam Herculius in schwere Bedrängnis und so starb er zu Tarsos an einer Krankheit.

Lactanz m.p. 29,30: Als seine Pläne vereitelt waren, plante der alte Maximianus nun schon die dritte Auseinandersetzung. Er kehrt nach Gallien zurück, um dem Kaiser Konstantin, seinem Schwiegersohn und Sohn seines Schwiegersohns, arglistig eine Falle zu stellen, und um ihn täuschen zu können, legt er das königliche Gewand ab. [...] Jener wartet wenige Tage und legt dann im Glauben, Konstantin sei schon ins Barbarenland eingefallen, plötzlich das Purpurgewand an, macht sich über die Schatzkammer her, verteilt nach seiner Gewohnheit großzügig Geschenke.[...] Er ruft seine Tochter Fausta und versucht, sie bald mit Bitten, bald mit Versprechungen zum Verrat an ihrem Gatten zu bewegen; einen anderen, ihrer würdigeren Mann verspricht er; er bittet, sie möge ihr Gemach unverschlossen verlassen und es nur recht nachlässig bewachen lassen. Sie verspricht, das zu tun, und berichtet sofort ihrem Gatten davon. Man inszeniert ein Theaterstück, durch das die Tat handgreiflich festgehalten werden sollte. Untergeschoben wird ein minderwertiger Eunuch, der an Stelle des Kaisers sterben soll. Maximianus erhebt sich in dunkler Nacht, sieht, daß alles für den Anschlag günstig ist. Nur wenige Wachen waren aufgestellt, und selbst die in größerer Entfernung; ihnen sagt er dennoch, er habe einen Traum gehabt, den er seinem Sohn erzählen wolle. Er dringt in Waffen ein, schlägt dem Kastraten den Kopf ab, eilt dann triumphierend hinaus und verkündet laut seine Tat. Plötzlich zeigt sich Konstantin auf der anderen Seite mit einer Schar Bewaffneter. Herausgetragen aus dem Schlafgemach wird der Leichnam des Getöteten. Ertappt ist der offenkundige Mörder verstummt vor Schrecken, wie wenn harter Stein dastünde oder eine marpesische Klippe [geht auf die Amazonenkönigin Marpesia zurück, die im Kaukasischen Gebirge eine Stadt gründete, welche auch als Marpesischer Berg oder Marpesische Klippe bezeichnet wird, Anm. des Autors]. Das ruchlose Verbrechen wirft man ihm vor. Schließlich wird ihm die Möglichkeit eingeräumt, seinen Tod selbst zu wählen, und den Knoten für einen gräßlichen Tod knüpft er am hohen Balken. So beendet jener hochbedeutende Kaiser über alles, was Römer heißt, der nach langer Zeit wieder mit ungeheurer Pracht das Zwanzigjahresfest feierte, den hochmütigen Nacken zerschmettert und zerbrochen, sein verabscheuungswürdiges Leben mit einem schmählichen, schändlichen Tod.

Eutrop 10,3,2: Er zog dann mit einem listigen Plan, als wäre er von seinem Sohn vertrieben worden, nach Gallien, um sich mit seinem Schwiegersohn Constantinus zu verbünden; er suchte jedoch, falls sich Gelegenheit fände, den Constantinus umzubringen [...] Als die Tücke nun durch seine Tochter Fausta, die ihrem Mann die List angezeigt hatte, aufgedeckt war, entfloh Herculius und wurde in Massilia [Marseille; Anm. des Autors] ermordet [...] und büßte so mit ganz gerechtem Tod [...].

Aurelius Victor 40,21,22: Denn Herculius, von Natur aus ziemlich unbeherrscht und zugleich angesichts der Energielosigkeit des Sohnes besorgt, hatte sich unbedacht aufs neue der Herrschaft bemächtigt. Und als er unter dem Deckmantel der Pflichterfüllung durch tückische Nachstellungen dem Schwiegersohn Constantin böse zusetzte, ereilte ihn endlich zu Recht der Untergang.

Als höchstwahrscheinlich gilt, dass Maximian 308 nach einem Zerwürfnis mit seinem politisch erstarkten Sohn Maxentius aus Rom zu seinem Schwiegersohn Konstantin nach Gallien flieht, dort aber weiterhin an die Macht strebt und – aus tetrarchischer Sicht – illegitim den Titel des Augustus trägt.(7) Während eines Germanienfeldzugs Konstantins unternimmt sein Schwiegervater mit den vor Ort stationierten Truppen einen Putschversuch gegen den Schwiegersohn. Die weiteren Vorfälle können nicht eindeutig rekonstruiert werden.

Die ausgewählte Szene ist ein Paradebeispiel für die unterschiedlichen politischen bzw. religiösen Lager, denen die zeitgenössischen Autoren zuzuordnen sind. Die eine Seite ist Konstantin positiv gewogen, dazu gehören v.a. die christlichen Autoren wie Laktanz und Eusebius. Die andere steht dem späteren Alleinherrscher eher kritisch bis negativ gegenüber, wie z.B. Zosimos.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Filmversion durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Zum wiederholten Male lehnt sich die Regie sehr stark an die christliche Version von Laktanz an. Interessanterweise wurde im Film – entgegen der laktanzschen Version – eine Leiche anstatt eines lebenden Eunuchen ins Bett gelegt. Vermutlich hätte ein humanes Opfer die Meinung des modernen Zuschauers über Konstantin zu sehr getrübt und überhaupt nicht dem Bild eines seinen Nächsten liebenden Kaisers entsprochen.

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