3.5 Befindet sich Helena in Rom, und wird sie gemeinsam mit Fausta von Maxentius als Geisel gehalten?

Fausta

Darstellung im Film:

Maxentius, der Gegner Konstantins, nimmt Helena und Fausta als Geisel, um Konstantin zu erpressen. Maxentius wird als brutaler und machthungriger Tyrann dargestellt, der nicht einmal davor zurückschreckt, seiner eigenen Schwester mit dem Tode zu drohen. Jedoch stellt sich dem Historiker hier die Frage, ob Fausta und Helena wirklich in Rom zum Zeitpunkt der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 waren und von Maxentius als Geiseln gehalten wurden.

Helena

Quellenlage und Urteil:

An dieser Stelle scheint der Zuschauer, wieder auf einen Fall künstlerischer Freiheit zu stoßen. Dass Maxentius sowohl seine leibliche Schwester Fausta, als auch die Mutter seines Kontrahenten Konstantin in Rom als Geisel hält, ist in keiner überlieferten Quelle belegt. Ein solcher Akt des besiegten Maxentius wäre vom Sieger Konstantin mit Sicherheit propagandistisch verwendet worden. So wäre ein solches Vorgehen nicht zuletzt von Autoren wie Laktanz, die Konstantin sehr positiv gegenüberstanden, mitgeteilt worden.

Es stellt sich nun die Frage nach der Intention der Drehbuchautoren bzw. der Regie für die Aufnahme eines solch falschen Sachverhalts in den Plot des Films. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts unterlagen viele historische Filme einem starken christlichen Einfluss.(8) So wurde in den Filmen die Geschichte des Christentums stets positiv dargestellt. Der untersuchte Film lässt sich in diesen Bereich einordnen. Im gesamten Film werden – wie oben schon argumentiert – die Heiden Maxentius und Maximian mit negativen Charaktereigenschaften dargestellt (machthungrig, hinterlistig, verlogen, gnadenlos), wohingegen der vermeidliche Christ Konstantin durchgängig mit positiven Eigenschaften ausgestattet wird (gutmütig, barmherzig, liebevoll, gnädig). Somit wird Konstantin von den Filmemachern als Held und Maxentius als Antiheld stilisiert.(9)

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