3. Todesfälle im Film

3.1 Wurde Agrippina der Kopf ihres Mannes auf einem silbernen Tablett serviert?

Neros Vater Ahenobarbus ist im Film an einer Verschwörung gegen Kaiser Caligula beteiligt und wird – vor den Augen des kleinen Nero – von Tigellinus mit dem Schwert ermordet. Um dem die Krone aufzusetzen, wird Agrippina am nächsten Tag der Kopf ihres Ehemannes von Caligula auf einem silbernen Tablett serviert.

Die Quellen bezeugen einen weit weniger spektakulären ‚Abgang‘ des Ahenobarbus. Überhaupt scheint kaum einer der antiken Autoren den Todesfall dieses Mannes für erwähnenswert befunden zu haben. Allein schon dieser Umstand deutet stark darauf hin, dass mit der filmischen Darstellung zumindest übertrieben wurde.

Doch der Reihe nach: Sueton beschreibt C. Domitius Ahenobarbus als ungemütlichen Zeitgenossen mit „verabscheungswerter“(1) Lebensweise und voller Skrupellosigkeit. Unter Tiberius wurde er wegen gleich mehrerer Verbrechen angeklagt und nur der Tod des Kaisers verschaffte ihm genügend Aufschub, so dass er sich „so gerade noch retten“(2) konnte. Manch einer würde ruhigen Gewissens bezweifeln, dass jemand, der eben erst mit knapper Not einer sicheren Verurteilung entronnen ist, sich kurz darauf an einem Staatsstreich beteiligt. Die filmische Darstellung fällt also augenscheinlich in sich zusammen.

Tatsächlich verlebte Ahenobarbus seine letzten Stunden offenbar fernab von Rom. Sueton erwähnt das Ableben von Neros Vater schlicht in einem Satz: „Er starb in Pyrgi an der Wassersucht.“(3) Die Wassersucht ist eine Erkrankung, bei der sich wasserähnliche Substanzen an verschiedenen Körperstellen ansammeln, was zu starken Schwellungen führt. Ursachen können beispielsweise in Kreislaufbeschwerden, Nierenkrankheiten oder chronischen Ernährungsstörungen liegen.(4) Der Krankheitsverlauf verläuft je nach Gattung der Wassersucht unterschiedlich. Fakt ist aber: Laut Sueton starb Neros Vater eines natürlichen Todes.

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