4. Gesamtbetrachtung / Fazit

Zusammenfassend fällt die Bewertung der Authentizität des TV-Zweiteilers „Nero“ durchwachsen aus. Zum Teil wurden offensichtlich antike Quellen und gängige Forschungsliteratur zurate gezogen. Die dadurch gewonnenen Informationen flossen aber nicht immer in den Film ein. Kleinere Unterschiede wie Jahreszeitenwechsel oder „Anpassung“ der Altersstruktur der Charaktere zu „modernen“ Verhältnissen sind in der Regel ebenso unerheblich wie vernachlässigbar.

Bei der Betrachtung einiger Todesfälle wird jedoch die vollständige Abkehr von den Quellen deutlich: Natürliche Tode – wie im Falle des Domitius Ahenobarbus – wurden zu Morden, während eindeutige Morde – wie beispielsweise der Tod der Octavia – entweder statt Nero einer anderen Person zur Last gelegt oder hinsichtlich der Todesumstände verändert wurden.

All das dient der Unterstützung des Film-Plots. Der ganze Film ist von zwei groben Handlungsmotiven bestimmt. Zum einen ist das Neros Liebe zu Acte, die ihn dazu veranlasst, Gutes zu tun. Auf der anderen Seite steht aber der Gedanke an Rache, der ihn durchströmt, seit er zu Beginn des Films die Ermordung seines Vaters mit ansehen muss. Über weite Strecken bestimmt die Liebe Neros Handeln. Erst in der zweiten Hälfte der Produktion beginnt seine „dunkle Seite“ langsam die Überhand zu gewinnen.

Passte ein Todesfall zeitlich oder thematisch nicht an die historisch korrekte Stelle der Handlung, bog man ihn in der filmischen Darstellung entsprechend zurecht. Daneben wurden aber Forschungskontroversen vorteilhaft ausgenutzt.

Ferner existieren auch durchaus authentische Todes-Szenen im Film, der Tod des Claudius beispielsweise, der genau wie in den Quellen(31) beschrieben gezeigt wird.

Insgesamt lässt sich somit sagen, dass die historische Authentizität zugunsten der Dramaturgie häufig vernachlässigt wurde. Die Produzenten wollten ein Werk schaffen, das zur Abwechslung mal für den Dauer-Bösewicht Nero Partei ergreift, indem man ihm einen (künstlichen) Hintergrund für seine teuflischen Taten als Kaiser gab und eine gute Seite, die aufrichtige Liebe empfindet. Das mag zu seichten Unterhaltungszwecken geeignet sein. Die Bezeichnung „Historienfilm“ verdient die Produktion allerdings nicht.

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