1. Einleitung

„Acte, verzeihe mir“, sind die letzten Worte Neros, der sterbend in den Armen seiner Lebensliebe Acte liegt – so zeigt es wenigstens der Film „Nero“. Dieser Film von 2004 unter Regie von Paul Marcus ist der zweite Teil der Filmreihe „Imperium – the rise and fall of an empire“. Er zeigt das Leben Neros als ein Liebesdrama. Nero wird in jungen Jahren von Kaiser Caligula, seinem Onkel, zu seiner Tante Lepida geschickt, nachdem Caligula seine Mutter Agrippina verbannt hat. Bei seiner Tante wächst er unter Sklaven auf und verliebt sich in die griechische Sklavin Acte. Erst nach Jahren – als Claudius Kaiser wird – kehrt Nero als junger Mann nach Rom zurück. Das Leben der Sklaven kennend, möchte er an der Seite seines Großonkels Claudius die Welt gerechter machen. Seine Mutter Agrippina, welche aus der Verbannung zurückkehren darf, hat ganz andere Pläne mit ihrem Sohn: Sie sieht ihn als zukünftigen Kaiser und sie ist bereit alles dafür zu geben, dass dieses Ziel wahr wird. Nero hingegen hat vor allem eins zum Ziel: Er möchte bei seiner Jugendliebe Acte sein. Dieses Ziel ändert sich auch nicht, als Nero zum Kaiser wird. Er möchte – zum Unmut seiner Mutter – Acte sogar zur Frau nehmen und lässt sich dazu von seiner Frau Octavia, der Tochter des Claudius, scheiden. Letztlich kann ihre Liebe zwischen Intrigen der Mutter, Mordplänen Neros und den Erwartungen an einen römischen Kaiser nicht bestehen. Zeitweise tröstet er sich mit Poppaea Sabina, die jedoch jung und noch vor der Geburt des gemeinsamen Kindes stirbt.

Als Nero letztlich spürt, dass die Senatoren ihn nicht mehr länger als Kaiser ertragen werden, reitet er aus Rom hinaus an einen Fluss und nimmt sich das Leben, indem er sich mit einem Messer die Pulsadern aufschneidet. Acte sieht ihn zufällig kurz zuvor und folgt ihm. Schließlich schließt sich der Kreis, und Nero stirbt in den Armen seiner großen Liebe, die er von Kindesbeinen an kennt. Doch hat Nero wirklich seine ganze Jugend bei Sklaven verbracht? Hat er sich schon hier in eine junge griechische Sklavin verliebt? Kreist Neros ganzes kinderloses Liebesleben – neben der Hochzeit aus politischen Gründen mit Octavia und der Ablenkung mit Sabina – nur um diese eine „wahre“ Liebe? Nimmt er sich letztlich alleine, die Gefahr spürend, außerhalb von Rom das Leben, wo ihn Acte findet?

Anhand dieser ausgewählten Fragen wird in der folgenden Arbeit die Historizität des Films überprüft. Dazu werden zunächst althistorische Quellen untersucht, die vom Leben Neros berichten. In besonderer Weise sind hier die Werke von Sueton, Tacitus und Cassius Dio zu erwähnen.

Im zweiten Schritt wird dann die Forschungsliteratur hinzugezogen, um zu überprüfen, wie glaubhaft die einzelnen Quellenaussagen einzuschätzen sind.

[Inhaltsverzeichnis]