2.4 Nahm Nero sich allein außerhalb von Rom das Leben, und starb er letztlich in den Armen Actes?

Im Film reitet Nero alleine – ohne Leibgarde – aus Rom heraus. Er spürt, dass die Senatoren ihn nicht länger als Kaiser unterstützen werden und einen Sturz planen. So reitet er an einen Fluss. Zufällig sieht Acte, die schon länger keinen Kontakt zu Nero hatte, ihn aus der Ferne und folgt ihm. Nero lässt sich am Rande des Flusses auf die Knie fallen und nimmt ein Messer hervor. Nacheinander schlitzt er sich die Handgelenke auf und fällt zu Boden. In diesem Augenblick trifft Acte ein und findet den mit Blut überströmten Sterbenden. Sie nimmt ihn in den Arm, und Nero flüstert ihr zu: „Acte, vergebe mir.“ Dann stirbt er in ihren Armen. Die letzte Szene zeigt dann, wie Acte und zwei weitere Frauen Nero verbrennen.

Ein perfektes Ende für eine bis dahin ausufernde Liebesgeschichte. Nero verstirbt in den Armen seiner großen Liebe, die er zudem noch um Vergebung bittet. Wie aber stellt sich der Tod Neros in den Quellen der antiken Zeit dar? Sueton schreibt in seiner Vita zu Nero folgendes:

Als jetzt seine Begleiter wiederholt in ihn drangen, sich der ihm drohenden schimpflichen Behandlung baldmöglichst zu entziehen, befahl er, vor seinen Augen eine Grube zu graben, die seinem Körpermaß angepaßt war, und womöglich ein paar Stücke Marmor zusammenzustellen, ebenso Wasser und Kleinholz herbeizuschaffen, damit man sofort seiner Leiche die letzte Ehre erweisen könnte. Während dieser Anordnungen weinte er heftig und brach wieder und wieder in die Worte aus: ‚Welch ein Virtuose stirbt mit mir!‘ Mittlerweise kam ein Eilbote Phaons mit Briefen an. Nero riß sie ihm aus der Hand und las, er sei vom Senat zum Staatsfeind erklärt, und man suche nach ihm, um an ihm ‚nach der Vorfahren Brauch‘ die Strafe zu vollziehen. Auf die Frage, was das für eine Strafe sei, erhielt er die Auskunft, der Mensch werde dabei nackt mit dem Halse in eine Gabel geschlossen und mit Ruten zu Tode geprügelt. Da ergriff er entsetzt zwei Dolche, die er mitgenommen hatte, prüfte ihre beiden Spitzen und steckte sie dann wieder ein, wobei er vorschützte, seine Schicksalsstunde sei noch nicht gekommen. Dann forderte er mehrere Male Sporus auf, die Totenklage um ihn anzustimmen. Dann bat er wieder, es möchte doch einer ihm im Selbstmord mit gutem Beispiel vorangehen. Zuweilen schalt er auf sein feiges Zaudern mit den Worten: ‚Mit Schimpf und Schande lebe ich! Das schickt sich nicht für Nero, das schickt sich wirklich nicht. In solcher Lage gilt es, besonnen zu sein. Auf, ermanne dich.‘ Da sprengten schon die Reiter heran, denen befohlen war, ihn lebend zu fangen. Als er sie bemerkte, rezitierte er in seiner Todesangst den Homerischen Vers: ‚Hufschlag eilender Rosse umtönt mir von ferne die Ohren.‘ Und stieß sich mit Hilfe seines Kabinettsekretärs Epaphroditus den Dolch in die Kehle. Halb tot konnte er dem hereinstürzenden Centurio, der seinen Mantel auf die Wunde drückte, damit Nero glauben sollte, er sei ihm zu Hilfe gekommen, nur noch die Worte zurufen: ‚Zu spät!‘ und ‚Das ist Treue!‘ Mit diesen Worten verschied Nero.“(27)

Sueton beschreibt also einen völlig anderen Hergang als der Film: ohne Acte, ohne Fluss, ohne Vergebungswunsch, aber mit Selbstmord. Nero verstirbt innerhalb Roms, nachdem er über Nacht vom Süden in den Norden der Stadt auf ein Landgut eines Freigelassenen, das innerhalb der Grenzen Roms liegt, geflüchtet ist, inmitten seiner letzten Getreuen.(28) Ihm sind die Reiter aus Rom bekannt, die ihn abholen sollen, um ihn seiner Strafe durch den Senat zuführen zu können. Nero hadert mit sich, aber als die Reiter schon auf den Hof seines Versteckes reiten, begeht er mit der Hilfe von Epaphroditus Selbstmord. Dabei schlitzt er sich aber nicht die Handgelenke, was eben meistens nicht zum Tode führt, sondern die Kehle auf und verstirbt in den Armen eines Centurio, der ihn lebend nach Rom bringen sollte. Seine berühmten letzten Worte „Welch ein Virtouse stirbt mit mir“ soll er nach Sueton früher gesprochen haben. „Zu spät!“ und „Das ist Treue!“ werden hier als seine letzten Worte angegeben. Wie wahrheitsgemäß die Quellen uns von den letzten Worten des sterbenden Kaisers berichten, bleibt insgesamt Spekulation. Aber von einem Wunsch nach Vergebung durch Acte, die nicht einmal anwesend war, berichtet uns keine einzige Quelle. Damit wird die Todesszene im Film noch fragwürdiger. Einzig belegt ist, dass Acte ihn schlussendlich wirklich begrub, nicht aber das sie bei seinem Tode persönlich vor Ort war.(29)

Erneut wird hier deutlich wie der Film mit der historischen Wahrheit umgeht. Die Liebesgeschichte zwischen Nero und Acte ist der vordergründige Plot, zu Lasten der historischen Genauigkeit.

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