2. Die Anfangsszene

Die erste Szene der Episode spielt im Lager Caesars in Ravenna im Winter des Jahres 50 v.Chr. Gleich zu Beginn wird hier einer der wichtigsten Diskussionspunkte sowohl der damaligen Zeit als auch der Forschung angeschnitten, indem das Ende der Statthalterschaft Caesars – hier durch seinen Sklaven – angesprochen wird. Die Szene ist so zwar nicht in den Quellen belegt, aber sie dient dazu, dem Zuschauer das derzeitige Problem Caesars zu erläutern: Seine Statthalterschaft neigt sich dem Ende zu, und er läuft Gefahr, nach dieser Zeit in Rom als privatus in mehreren Strafsachen angeklagt und verurteilt zu werden.(2) Außerdem wird die Strategie Caesars aufgegriffen, größere Mengen Geld zur Verfügung zu stellen, um Stimmen für die Wahl des Antonius zum Volkstribun zu erkaufen und somit seine Abberufung aus Gallien zu verhindern. Aus den Quellen ist zu erfahren, dass Caesar schon zuvor die Vertretung seiner Interessen im Senat durch Bestechungsgelder sichergestellt hat:

„[...] machte er sich dessen Amtskollegen Aemilius Paulus und Gaius Curio, den rücksichtslosesten unter den Tribunen, durch maßlose Bestechung zu seinen Beschützern.“(3)

„Nach dieser empörenden Tat des Marcellus ließ Caesar die in Gallien erbeuteten Reichtümer in Strömen in die Taschen aller politisch einflussreichen Römer fließen. Er befreite den Volkstribunen Curio von seiner drückenden Schuldenlast und schenkte dem Konsul Paulus fünfzehnhundert Talente.“(4)

In der Serie wird allerdings der wohl wichtigste und einflussreichste Unterhändler Caesars, C. Scribonius Curio, überhaupt nicht genannt, was wohl auch daran liegt, dass die Handlung sich auf die letzten Wochen vor dem Bürgerkrieg beschränkt. Doch selbst nach Ablauf seiner Amtszeit als Volkstribun prägte Curio die Senatssitzungen und verteidigte dort wie bei inoffiziellen Verhandlungen die Position Caesars. Auch andere politische Charaktere dieser Zeit, wie beispielsweise der Volkstribun L. Cassius Longinus, erhalten in Rom keine eigene Rolle. Die Serie modifiziert hier die historischen Fakten, um die Dramaturgie nicht zu beeinträchtigen und den begrenzten Platz einer 45-minütigen Episode nicht mit einer Vielzahl an Protagonisten zu überladen. Daher agiert in der Serie M. Antonius nach seiner hier korrekt eingeordneten Wahl zum Volkstribun Ende 50 v.Chr.(5) als einziger Unterhändler Caesars.

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