4. Die Überschreitung des Rubicon

Philipp II.

Diese Szene ist wohl eine der berühmtesten der antiken Geschichte und auf zweifache Weise in Sprichwörtern noch heute jedem ein Begriff. Außer der Redewendung „den Rubicon überschreiten“ ist auch der angebliche Ausspruch Caesars  „Iacta alea est/Der Würfel ist gefallen bzw. geworfen worden“ durchaus noch geläufig. Doch was berichten die antiken Quellen genau über dieses Ereignis, und wie wird die Szene in der Serie Rom verarbeitet? Die antiken Autoren stellen die Überschreitung des Rubicon mit unterschiedlicher Ausführlichkeit und auch inhaltlich nicht ganz einheitlich dar. Cassius Dio (41,4) erwähnt den besagten Fluss nicht einmal sondern nur den Marsch Caesars auf Rom. In Caesars „Bellum civile“ wird die Überschreitung nicht weiter beschrieben, und Velleius Paterculus fasst den Anfang des Jahres 49 v.Chr. in einem Satz zusammen, in dem wenigstens der Name des Flusses fällt („Caesar überquerte mit seinem Heer den Rubikon.“(14)) Ausführlicher und vor allem um einiges dramatischer beschreibt Sueton (Div. Iul. 31,2) den Schritt, der den Bürgerkrieg endgültig auslöste. Caesar hielt seinen Angaben zufolge noch einmal inne und stellte fest: „Auch jetzt können wir noch zurück. Wenn wir aber diese unscheinbare Brücke überschritten haben, müssen wir alles mit den Waffen entscheiden.“ Weiterhin berichtet der Autor von einer Vision, die Caesar noch einmal die letzte Entschlossenheit gab und ihn zu seinem berühmten Ausspruch verleitete: „Darauf sprach Caesar: ,Man soll dahin gehen, wohin die Zeichen der Götter und die Ruchlosigkeit der Gegner rufen. Der Würfel ist geworfen worden.‘“(15) In ähnlicher Weise stellt auch Appian die Überschreitung des Rubicon dar: „‚My friends, stopping here will be the beginning of sorrows for me; crossing over will be such for all mankind.‘ Thereupon, he crossed with a rush like one inspired, uttering the common phrase, ‚Let the die be cast.‘“(16) Plutarch reiht sich in diese Überlieferung ein, indem er Caesar denselben Satz in leicht veränderter Form in den Mund legt („Der Würfel soll geworfen sein!“(17)), die Szene aber um das Detail erweitert, dass Caesar einen Traum gehabt haben soll, in dem er Inzest mit seiner Mutter trieb. Schließlich existiert noch eine literarische Form der Überlieferung durch Lucans Pharsalia, die Caesar am Ufer des Rubicon die Stadt Rom als mystische Gestalt gegenübertreten lässt.(18) Mit dem Bewusstsein dieser reichlichen Darstellung der Überschreitung bei den antiken Autoren oder zumindest mit der Kenntnis des zum Sprichwort gewordenen Ausrufs Caesars fragt sich der Zuschauer nun, wie die Schlüsselszene des Bürgerkrieges in der Serie dargestellt wird, und es geschieht – nichts. Caesar überschreitet ohne Worte mit der XIII. Legion den Rubicon, und nur M. Antonius lässt sich zu einem kurzen Augenzwinkern herab, als wolle er sagen: „Wir entscheiden hier nicht, was wirklich am Rubicon geschah.“(19) Wenigstens erfahren wir durch die Protagonisten L. Vorenus und T. Pullo den Namen des Flusses, dessen Bedeutung als Grenze zwischen dem diesseitigen Gallien und Italien und damit verbunden vom unumgänglichen Ausbruch des Bürgerkrieges.

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